Meine Transition – Julia Faux

Julia Faux

Die Geschichte meiner Transition – das ist meine Erfahrung:

Mein Name ist Julia Faux, ich bin 19 Jahre alt, lebe in Wien. Mein Leben wurde durch meine Transition natürlich stark geprägt, damit habe ich im Jänner 2018 begonnen. Bis dahin war es für mich allerdings ein langer Prozess. Wann ich das erste Mal gemerkt habe, dass etwas falsch war, daran erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich an einem gewissen Punkt meines Lebens, während meiner tiefsten Zeit in meiner Depression, angefangen hatte im Internet über Trans* Themen zu recherchieren. Mir wurde daraufhin recht schnell klar: Das bin ich, ich bin Transgender. Doch dann kamen die Schwierigkeiten, wie oute ich mich? Wie traue ich mich, insbesondere in diesem mentalen Zustand. Ich habe es dann, nach langer Zeit und langem Zögern einer Ärztin in der Tagesklinik die ich dieser Zeit besuchte, anvertraut. Was sich allerdings als Fehler herausstellte. Meine Transition, beziehungsweise ihr Beginn, wurde dadurch nur verzögert, denn anstatt Hilfe bekam ich nur “Das könnte nur eine Einbildung deiner Krankheit sein”. Anstatt Hilfe war ich weiter in meinen Gedanken gefangen.

Julia Faux

Mehrere Monate später vertraute ich mich der einzigen Person die ich damals als Freundin bezeichnet hätte an. Sie, immerhin akzeptierte mich. Sie versuchte mir, denke ich, zu helfen. Ich war zu dieser Zeit auch bei einer Psychotherapeutin, die mir leider nicht wirklich helfen konnte. Allerdings habe ich es zumindest mit ihrer Hilfe Ende Dezember 2017 geschafft mich zu meiner Familie zu outen – fast ein Jahr nach dem missglücktem “Outing” in der Tagesklinik. Ich hatte das Glück, entgegen meiner Ängste, von meiner Familie akzeptiert zu werden. Meine Schwester sagte, sie hätte es schon vermutet, für meine Mutter war es ein kleiner Schock, aber sie kam recht bald gut damit zurecht. Meinem Vater war es, zumindest soweit er es zeigte, recht egal.

Nun, ich habe es meiner Mutter sicher nicht leichter gemacht indem ich grade mal 3 Wochen später angefangen habe DIY-Hormone zu nehmen – aus dem Internet bestellt. Ich bereue diesen Schritt nicht, weiterempfehlen würde Ich es allerdings auch nicht, Ich habe sehr viel Geld darin investiert das nicht hätte sein müssen. Das einzige was mir daran langfristig half, waren die Testosteronblocker, in dem Sinne, dass sie verhinderten, dass meine männliche Pubertät in mir mehr Schaden anrichtete als sie es bereits getan hatte. Die Hormontabletten, die ich nahm wirkten bei mir kaum bis gar nicht. Das fand ich allerdings erst heraus als ich im Sommer in der Trans Ambulanz im AKH einen Bluttest machen ließ, und mir das gesagt wurde. Bis ich sämtliche Befunde über den normalen Weg für Hormone hatte vergingen allerdings nochmal einige Monate. 

Eigentlich ist es ja garnicht so schwer, diese drei Befunde zu bekommen, wenn Person weiß wie und wo! Als ich meinen Klinisch-psychologischen Befund hatte, ging es dann recht schnell, ich hatte in der Zwischenzeit eine neue Therapeutin gefunden, die mir den Befund schreiben würde. Diese verhalf mir dann auch zu einem Psychiater, der mir auch ziemlich schnell den Befund schrieb. So hatte ich für meinen 3. Termin im AKH auch alle Befunde beisammen. Und somit, bekam ich auf meinen eigenen Wunsch Hormonpflaster (anstatt Gel) verschrieben, die mir aber genauso wenig brachten. Bei meinem übernächsten Termin bekam ich endlich Gel und zusätzlich ein Progesteron verschrieben. Danach ging es mir mit meinen Hormonen auch recht gut.

Wenig später hatte ich auch meine Personenstandsänderung sowie 3 Monate später auch die Vornamensänderung. Der Befund dafür war von meiner Therapeutin schnell gemacht. Die Behörden in Wien verzögern das nur leider etwas.

Im November 2019 war es dann soweit – ich hatte das Vorgespräch für meine GA-OP. Ich war verdammt nervös an dem Tag, aber ich bekam einen Termin nur 5 Wochen später – 3 Tage vor Weihnachten, um genau zu sein. Der wurde dann noch um einen Tag vorverlegt, so das ich zu Weihnachten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zuhause sein würde. Je näher die OP kam desto mehr verflog meine Nervosität, meine Dysphorie jedoch stieg, weit. Direkt nach der OP jedoch war ich einfach nur froh, es getan zu haben, geschafft zu haben. Nie in meinem Leben war ich glücklicher. Trotz einiger kleiner Komplikationen geht es mir jetzt wesentlich besser.

– Julia Faux

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