non binary – Meine Erfahrung – SK

Hi. Ich bin Elli. Ich bin nonbinary. Das bedeutet, ich seh mich weder als 100% weiblich, noch als 100% männlich. Das ist mir das erste Mal aufgefallen als ich ungefähr 11 Jahre alt war. In meiner Kindheit hab ich – naturgemäß denke ich – nie über meine Geschlechtsidentität nachgedacht. Mit ca. Elf hab ich dann angefangen zu bemerken, dass ich nicht exakt in das gesellschaftlich Bild von „Mädchen“ bzw. „Frau“ hinein passe, bzw. Dass ich mich davon eingeschränkt fühle, als „nur“ weiblich gesehen zu werden. Zuerst dachte ich lange, ich sei eventuell trans. Damals waren mir die Begriffe rund um Gender-Identity nicht wirklich geläufig, aber ich war damals schon extrem fasziniert von Personen, die weder eindeutig m noch f sind, und ich hatte lange fast nur Vorbilder aus der Drag-Community. Was bedeutet das für meinen Alltag? Nun ja, ich versuche, mich nicht einschränken zu lassen. Ich bin immer sehr angepisst, wenn man mich einordnen will, einfach weil ich gern die Freiheit behalten möchte, für mich selbst zu entscheiden. Manchmal scheitert das natürlich an der Umwelt – unsere jetzige Gesellschaft denkt leider noch sehr in der Binarität und es st manchmal eine Challenge, sich davon nicht runter ziehen zu lassen. Ich könnte jetzt weit ausholen, aber ich beschränk es ein bisschen, damit der Post nicht extrem lang wird.

Im Alltag versuch ich, mich möglichst androgyn zu kleiden; dh. Sachen zu tragen, die mehr oder weniger agender sind, da ich mich persönlich als agender wahrnehme. Ich schminke mich zwar, was natürlich dann wieder zu einer Zuordnung verleitet; aber ansonsten bin ich wohl eher das, was man in manchen Communities als Tomboy bezeichnen würde.

Von meinem Verhalten her denke ich dass – aufgrund der Erziehung – noch viele Attribute von der binären Kategorie „typisch weiblich“ verkörpere – allerdings hat sich auch das über die Jahre immer wieder verändert. Seit ich ca. 15 bin hab ich durch meine Kleidung versucht, meine biologische Weiblichkeit möglichst zu kaschieren, was leider auch extreme Züge angenommen hat – aber das erspar ich euch jetzt.

Im Endeffekt sehe ich es so; Gender-Identity ist wichtig, das bestreite ich nicht; für mich ist sie jedoch relativ irrelevant. Ich sehe mich nicht als eine besonders vom Gender definierte Person, ich mache einfach das, was ich möchte, und versuche, mich nicht zu belügen. An manchen Tagen schmink ich mich eventuell doch etwas was mehr – aber nicht, weil ich mich „weiblich“ fühle, sondern weil ich eine gewisse Ästhetik erzeugen will. An anderen Tagen lauf ich wie ein 15-Jähriger Junge herum, aus dem selben Grund.

Es ist okay, nicht zu wissen, was man ist. Das hab ich durch meine Arbeit beim transABC gelernt. Man muss nicht das Ebenbild einer Geschlechtskategorie sein – solange man selbst mit sich leben kann, finde ich, dass Gender irrelevant ist. Es kommt ja letztendlich nicht darauf an, was eine Person in der Hose hat, zumindest für mich nicht (aus diesem Grund bin ich auch pansexuell).

Solange du gut mit dem leben kannst, wie du dich der Umwelt präsentierst, do it – niemand hat das Recht dich in eine Rolle zu drängen. Das ist ganz allein deine Entscheidung.

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