Hormonersatztherapie (trans-feminin)

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Die Entscheidung, eine Hormonersatztherapie in Anspruch zu nehmen, ist oft keine Frage „ob“, sondern eher des „wann“. Trotzdem solltest du dir überlegen, ob es für dich wichtig und richtig ist, damit zu beginnen. Deine geschlechtliche Identität bleibt die deine, Hormone hin oder her. Wenn du dich in deinem Körper so wohl fühlst wie er ist, kann dich niemand dazu zwingen eine Hormonersatztherapie zu beginnen.

Bei einer Hormonersatztherapie für Personen, die bei der Geburt als männlich zugewiesen wurden, werden Präparate verabreicht um dem Körper feminine Hormone (d.h. Östrogen und Progesteron) zuzuführen und die Testosteronproduktion zu drosseln. Dafür wird zuerst ein Bluttest gemacht, um auszuloten was die Hormonwerte im unbehandelten Zustand sind. Das ist wichtig für den behandelnden Arzt, um die Dosierung festzulegen. Es wird auch die Knochendichte gemessen, da eine Behandlung mit Östrogen das Risiko erhöhen kann, Osteoporose zu entwickeln.

Die Behandlung mit Östrogen und Testosteron-Blockern wirkt im Verlauf von mehreren Monaten bis Jahren, sie ist für den Körper eine Art „zweiter Pubertät“. Dadurch, dass der Körper weniger Testosteron produziert und Östrogen aufnimmt, bekommt er eine „femininere“ Form d.h. das Körperfett verlagert sich. Das bewirkt, dass die Hüften runder werden, und mehr Fett sich am Unterbauch ablagert. Oft passiert es auch, dass die insgesamte Muskelmasse abnimmt und die Gesichtszüge sich wandeln, da auch hier das Fett umgelagert wird. Wie schnell oder langsam das vor sich geht, ist von Person zu Person unterschiedlich. Es beginnt ebenfalls ein Brustwachstum, das in der Anfangszeit auch schmerzhaft sein kann. Es ist normal, dass die neu wachsenden Brüste sehr sensibel sind, und es kann sein, dass du eine Zeitlang nicht auf dem Bauch liegen kannst oder beim Treppensteigen aufpassen musst. Sobald das neue Brustgewebe voll „ausgewachsen“ ist, vergeht üblicherweise auch der Schmerz.

Auch das Gehirn wird durch die Umstellung der Hormone beeinflusst: während dein Körper sich an die Umstellung gewöhnt kann es vorkommen, dass du eine Zeitlang Gefühle „intensiver“ erlebst und emotionaler auf Situationen reagierst. Mit der Zeit normalisiert sich dies, es dauert für viele trans* Menschen die eine Hormonersatztherapie machen jedoch eine gewisse Zeit bis sie in diesem „neuen Normalzustand“ angekommen sind.

Durch die Testosteron-Blocker kann es dazu kommen, dass dein Sexualtrieb abnimmt. Wenn du das nicht möchtest und Bedenken hast, dass das bei dir der Fall sein könnte, kann dir dein behandelnder Arzt helfen, die Dosierung anzupassen. Sie können ebenfalls bewirken, dass die Körperbehaarung feiner wird und der Körpergeruch weniger intensiv. Außerdem wird dadurch, dass die Testosteronproduktion gedrosselt wird, auch die Produktion von Spermien mit der Zeit unterbunden und du wirst unfruchtbar – dies ist umkehrbar, es muss nur die Einnahme der Blocker ausgesetzt werden.

Nach einer gewissen Zeit mit Östrogen und Testosteron-Blockern kann auch eine Behandlung mit Progesteron begonnen werden. Dieses Hormon bewirkt, dass die Körperform noch etwas femininer wird und dass die Brüste eine endgültige Form erhalten. Viele trans* Menschen, die Progesteron einnehmen berichten, dass sie dadurch mehr bzw. intensiver Lust auf Sex verspüren. Auch hier gilt: wenn das für dich ein wichtiger Faktor ist, sprich mit deinem behandelnden Arzt darüber.

Eine Hormonersatztherapie mit Östrogen, Progesteron und Testosteron-Blockern kann allerdings einiges auch nicht: der Bartwuchs bleibt weiter bestehen und die Folgen des Stimmbruchs werden dadurch nicht umgekehrt. Außerdem ist es eine Langzeitbehandlung die je nach körperlicher Veranlagung unterschiedlich schnell oder langsam voranschreiten kann. Mach dir also keine Sorgen, wenn etwas nicht „sofort“ oder „nach Zeitplan“ passiert – jeder Körper wächst in seiner eigenen Geschwindigkeit.

(Dieser Artikel behandelt die Therapie mit Hormonen für trans-feminine Personen, also Menschen die bei der Geburt als „männlich“ zugewiesen wurden.)

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